Artist Statement

Was mich bei meiner Arbeit am meisten bewegt ist das Thema Natur und die Wahrnehmung von Natur. Ich versuche zur Anschauung zu bringen, dass sich hinter dem Gewöhnlichen, dem vermeintlich Bekannten, mehr verbirgt als auf den ersten Blick zu sehen ist. Mich faszinieren besonders die Phänomene des Himmels in ihrer Vielgestaltigkeit, Rätselhaftigkeit und ihrem stetigen Form- und Farbwechsel. Auch die Verschränkung von Kunst und Wissenschaft finde ich spannend.

Im Fokus meiner Arbeit steht die Wahrnehmung und das Hinterfragen der Sehgewohnheiten. Ich frage mich nicht nur, was ich sehe, sondern wie: Mit welchem Blick nähere ich mich der Natur? „Man sieht was man sehen lernte“ sagte der Philosoph Von der Wense. Es ist mir ein Bedürfnis, den Bick auf das Alltägliche zu hinterfragen und zu reflektieren, ob das erlernte Wissen uns beim Schauen eventuell im Wege steht.

Beim Durchdringen des Themas Wolken ist mir wichtig, die dabei entstehenden Empfindungen mit den Mitteln der Malerei – Farbe, Form, Linie, etc. - ins Bild zu bringen. Farbe ist raumbildend, ebenso der Horizont, der unverzichtbar für die menschliche Orientierung ist. Die Vertikale zusammen mit der Horizontalen schafft einen Gegensatz, eine Spannung, ähnlich wie der starke Hell-Dunkel-Kontrast. Es entsteht eine Bewegung, eine Tiefe, durch die ich die Emotionen in der Natur abbilden kann.

In den Naturgewalten zeigt sich das Spannungsverhältnis zwischen der Schönheit der Natur einerseits und ihrer Zerstörungskräfte andererseits. Diese Ambivalenz der Naturgewalten möchte ich durch Bilder von Himmelsphänomenen veranschaulichen.

Ebenso wichtig wie der Blick auf das Gewöhnliche ist mir die Umkehrung der Blickrichtung. Der Mensch hat den Blick nach oben in den Himmel verinnerlicht: ich frage mich, was passiert, wenn wir uns den Blick von oben vergegenwärtigen. Seit 1968 kann die Menschheit über die Medien den Planeten Erde aus dem Weltall betrachten. Ich denke, dass diese Bilder auf unser Bewußtsein wirken und Zusammenhänge sichtbar machen, vom Zusammenleben, vom Leben an sich.

Ein abstrakter Begriff wie „Klimawandel“ wird erst dann begreif- und erfahrbar, wenn die menschlichen Sinne aktiv teilnehmen. Daher ist es mir eine innere Notwendigkeit, meine Sorge um das Leben angesichts des Klimawandels, dem Verlöschen der Artenvielfalt, dem Ansteigen der Meeresspiegel usw. in Bildern, im Medium der Malerei, zu veranschaulichen.

Es ist meine Überzeugung, dass die einfachen Dinge – wie Pflanzen, Jahreszeiten, Wolken – Geheimnisse in sich bergen, die auf das Absolute hindeuten. Durch die Malerei kann ich mein Staunen angesichts der Komplexität der lebendigen Natur auszudrücken. Nichts könnte meiner Meinung nach dazu besser geeignet sein als Wolkenbilder: sie spiegeln den Menschen.